{"id":466,"date":"2017-03-06T18:01:01","date_gmt":"2017-03-06T18:01:01","guid":{"rendered":"http:\/\/freundeskreis-asyl-pliezhausen.de\/?p=466"},"modified":"2019-04-03T08:44:55","modified_gmt":"2019-04-03T08:44:55","slug":"466-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/freundeskreis-asyl-pliezhausen.de\/?p=466","title":{"rendered":"Wir wollen in Freiheit leben (Ewald Walker \/ GEA)"},"content":{"rendered":"<p>VON EWALD WALKER<\/p>\n<p class=\"lead\">PLIEZHAUSEN. Flucht. L\u00e4ngst haben wir uns an Bilder fl\u00fcchtender Menschen quer durch die Kontinente gew\u00f6hnt. Doch hinter jedem Weg in die Freiheit steckt eine besondere Geschichte. Dies ist die Geschichte der Familie Aldroubi, die sich am 10. September 2015 in Damaskus auf den Weg machte, dem Krieg in Syrien zu entkommen. Die Aldroubis: Das sind Vater Faisal (50), seine Frau Abeer (38), die Kinder Amin (18), Mohammed (14), Hala (6) und die vor f\u00fcnf Monaten in Reutlingen geborene Kristin.<\/p>\n<p class=\"lead\">Flucht: Das hei\u00dft die Heimat verlassen, oft ohne ein genaues Ziel. Die Aldroubis wollten nach Deutschland, ohne das Land vorher besucht zu haben. Als in der Nacht zum 4. August 2015 Bomben \u00fcber ihren Heimatort Homs niedergingen, entschied der in Damaskus als Arabisch-Lehrer arbeitende Faisal Aldroubi f\u00fcr seine Familie, das Land zu verlassen. \u00bbWenn wir gehen, dann gehen wir zusammen\u00ab, war f\u00fcr Mutter Abeer die Bedingung.<\/p>\n<p>Noch in derselben Nacht begann die atemberaubende Flucht der Familie. Der 17-j\u00e4hrige Amin, der zu diesem Zeitpunkt eigentlich das Abitur machen wollte, fuhr (noch ohne F\u00fchrerschein) seine Familie im Auto, nahm eine vierk\u00f6pfige Nachbarsfamilie mit (\u00bbWenn man was Gutes tut, bekommt man Gutes zur\u00fcck\u00ab) und brachte acht Menschen unter Luftangriffen teilweise durch die W\u00fcste nach Damaskus. Der junge Mann hatte eine wichtige Rolle auf der Flucht, gro\u00dfe Verantwortung \u00fcbernommen und ist dabei menschlich sehr gereift. \u00bbWir hatten Angst in diesem Krieg, wollen in Freiheit leben\u00ab, sagt der inzwischen 18-J\u00e4hrige heute, der jetzt in die zehnte Klasse des HAP-Grieshaber-Gymnasiums in Rommelsbach geht.<\/p>\n<p>In der syrischen Hauptstadt Damaskus entscheidet Vater Faisal: Wir verlassen unser Land endg\u00fcltig. Es ist das Aufbruchsignal f\u00fcr eine 16-t\u00e4gige Flucht durch neun L\u00e4nder, die ihr vorl\u00e4ufiges Ende in Pliezhausen findet.<\/p>\n<p class=\"lead\">Stationen einer Flucht: Von Damaskus geht es per Bus in den Libanon, von dort per Schiff in die T\u00fcrkei. Mit einem Gummiboot erreicht die Familie eine kleine Insel in Griechenland. Allerdings brauchen die Fl\u00fcchtlinge f\u00fcnf Versuche, um in der Nacht wegzukommen. Das Boot wird von t\u00fcrkischen Polizisten angegriffen und zur Kenterung gebracht. Abeer, die Mutter, ist Nichtschwimmerin und \u00fcberlebt nur dank einer Schwimmweste.<\/p>\n<p>\u00bbDas war der schlimmste Teil unserer gesamten Flucht\u00ab, sagt Faisal Aldroubi, der 6 000 Euro f\u00fcr diese \u00dcberfahrt bezahlt hatte. Weiter geht es per Bus nach Mazedonien, Serbien, Kroatien, Ungarn. Zwischendurch immer wieder stundenlange Fu\u00dfm\u00e4rsche, insgesamt gut 200 Kilometer legen sie so zur\u00fcck. \u00bbWir haben allein in einer Woche sieben L\u00e4nder durchquert\u00ab, erz\u00e4hlt Faisal.<\/p>\n<p>Flucht: Das hei\u00dft, kein Blick zur\u00fcck, immer vorw\u00e4rtsgehen. Tagelang hat der Familienvater Tochter Hala auf den Schultern getragen. Der Drang in die Freiheit verleiht gro\u00dfe Kr\u00e4fte und erfordert auch sonst h\u00f6chsten Einsatz. Um finanzielle Reserven zu mobilisieren, wurde zuhause das Auto verkauft, ebenso der Schmuck der Familie. Die \u00e4lteste Tochter Suria (22) ist verheiratet und deshalb in Syrien geblieben.<\/p>\n<p>\u00dcber Wien kommen die Aldroubis per Zug nach Deutschland. Kaum lange an einem Ort, sind ihre n\u00e4chsten Stationen Karlsruhe, Heidelberg und Reutlingen. Am 13. April landen sie schlie\u00dflich in Pliezhausen. \u00bbEs ist sch\u00f6n hier\u00ab, l\u00e4chelt Abeer, am reichlich gedeckten Mittagstisch in der Drei-Zimmer-Wohnung. Mit dem Blick auf den Pliezh\u00e4user Kirchturm verbinden die Aldroubis auch Hoffnung auf mehr Ruhe in ihrem Leben.<\/p>\n<p>Fl\u00fcchtlinge waren in Pliezhausen nicht von Anfang an willkommen. Heftige Diskussion um den Standort einer Sammelunterkunft, Drohungen per Flugbl\u00e4tter und in Briefk\u00e4sten, an Lichtmasten, bis hin zu Gewaltandrohung gegen G\u00fcnter Herbig, den Sprecher des Freundeskreises Asyl. Insgesamt rund 70 Ehrenamtliche k\u00fcmmern sich heute in Pliezhausen um 50 Fl\u00fcchtlinge. Keine einfache Aufgabe, denn Widerst\u00e4nde sind immer noch und immer wieder sp\u00fcrbar.<\/p>\n<p class=\"lead\">Martina M\u00fcller und Tanja Sch\u00fcbel nehmen sich syrischer Familien an. Beh\u00f6rdeng\u00e4nge, Begleitung zu \u00c4rzten, in die Schulen gehen \u2013 Unterst\u00fctzung im Alltag. F\u00fcr Tanja Sch\u00fcbel, die die Patenschaft f\u00fcr die Aldroubis unternommen hat, ist dies zeitweise ein Halbtagesjob \u2013 ehrenamtlich wohlgemerkt.<\/p>\n<p>\u00bbDer Schl\u00fcssel zur Integration ist die Sprache\u00ab, stellt Sch\u00fcbel klar. Die Kinder nehmen diese H\u00fcrde leichter, den Eltern f\u00e4llt es deutlich schwerer. Der Vater hat in diesen Tagen einen Integrationskurs in Reutlingen beendet. \u00bbIch denke, unsere beiden S\u00f6hne werden hier bleiben\u00ab, sagt Faisal; \u00bbwir Eltern werden, wenn der Krieg beendet ist, in vier, f\u00fcnf Jahren wieder zur\u00fcckgehen nach Syrien\u00ab. Dann w\u00fcrde sich ein Kreis schlie\u00dfen. Es w\u00e4re das Ende ihrer Flucht. (GEA)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>VON EWALD WALKER PLIEZHAUSEN. Flucht. L\u00e4ngst haben wir uns an Bilder fl\u00fcchtender Menschen quer durch die Kontinente gew\u00f6hnt. Doch hinter jedem Weg in die Freiheit steckt eine besondere Geschichte. Dies ist die Geschichte der Familie Aldroubi, die sich am 10. September 2015 in Damaskus auf den Weg machte, dem Krieg &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":461,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[47],"tags":[],"class_list":["post-466","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-startseite"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/freundeskreis-asyl-pliezhausen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/466","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/freundeskreis-asyl-pliezhausen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/freundeskreis-asyl-pliezhausen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/freundeskreis-asyl-pliezhausen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/freundeskreis-asyl-pliezhausen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=466"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/freundeskreis-asyl-pliezhausen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/466\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":780,"href":"http:\/\/freundeskreis-asyl-pliezhausen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/466\/revisions\/780"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/freundeskreis-asyl-pliezhausen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/461"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/freundeskreis-asyl-pliezhausen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=466"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/freundeskreis-asyl-pliezhausen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=466"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/freundeskreis-asyl-pliezhausen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=466"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}